„Gemeinsam schaffen wir es wieder!“

In der neuen Ausgabe von OrangeZone.Magazin (erscheint Samstag) spricht Dr. Thomas Stoll erstmals ausführlich über die Pläne eines neuen Trainingszentrums. Vorab gibt es hier exklusiv die wichtigsten Aussagen zum Orange Campus.

OrangeZone.Magazin: Seit einiger Zeit kennt eine kleine Teilöffentlichkeit die Pläne, ein neues, eigenes Trainingszentrum bauen zu wollen. Wie reagieren die Menschen, denen du vom Orange Campus erzählst?

Dr. Thomas Stoll: Am Anfang waren die Reaktionen eher verhalten. Inzwischen lassen sich immer mehr von der Idee begeistern. Ein in Deutschland bislang einmaliges Trainingszentrum, direkt an der völkerverbindenden Donau, mit optimalen Trainingsmöglichkeiten; also ein Sportpark mit Freiplatz, Beachvolleyball etc. Und das quasi in der Mitte der beiden Städte Ulm und Neu-Ulm, optimal an den Nahverkehr angebunden und offen für alle Bürger.

Der Orange Campus soll auf dem ehemaligen Gelände des Donaubades in Neu-Ulm entstehen. Neben der ratiopharm arena und dem ratiopharm akademie Trainingszentrum in der Nelson-Allee also erneut ein Standort in Bayern. Landesgrenzen interessieren dich nicht, oder?

Stoll: Wir sind ein Club, der Fans auf beiden Seiten der Donau hat und wir wollen mit beiden Städten gemeinsam optimale Lösungen finden. Das hat bei der ratiopharm arena super geklappt. Das aktuell favorisierte Gelände liegt zwar in Bayern, aber es gehört zu Dreiviertel Ulm. Insofern wären wir dann quasi auf einem Neu-Ulmer/Ulmer Grundstück. Besser kann es gar nicht gehen.

„Steine statt Beine“ wurde ja schon angesprochen, aber die Leute wollen gleichzeitig Siege und den Einzug in die Playoffs sehen. Wie lässt sich dieser Spagat bewältigen?

Stoll: Das ist nicht einfach, denn natürlich könnte man auch für ein, zwei Jahre alles Geld bündeln und einem Titel nachjagen, aber wir wollen etwas Dauerhaftes aufbauen. Wir wollen die Grundlagen dafür schaffen, dass es auch in 20 Jahren in der Region noch hochklassigen Basketball gibt. Ein Titel wäre schön und die Fans und die Region hätten das auch mehr als verdient. Aber wir glauben, dass wir dauerhaft höhere Chancen haben, wenn wir parallel in die Steine investieren. Denn man muss sich nichts vormachen: Die drei großen B´s sind beim Etat weit vor uns und auch Oldenburg und Artland leisten sich teurere Spielerkader. Wir sehen eine größere Chance, diese Lücke dauerhaft zu schließen, wenn wir in die Jugend investieren. Nicht nur, weil so vielleicht mittelfristig sehr gute Bundesligaspieler entwickelt werden, sondern weil wir Basketball in der Region ganz tief verwurzeln. Jedes Kind, das bei uns spielt – selbst wenn es später nur in der Kreisliga zockt – wird die Basketballbegeisterung sein Leben lang in sich tragen. Und sich hoffentlich ab und zu daran erinnern.

Die Liste junger deutschen Spieler, die es in Ulm zum Nationalspieler geschafft haben, ist lang: Von Wysocki, über Günther, Benzing und Theis. Bis auf Theis führte ihr Weg über die Kuhberghalle, also eine städtische Schulturnhalle. Wieso reicht das nicht mehr?

Stoll:
Basketball hat sich weltweit enorm entwickelt. Natürlich lernt man auch heute das Basketball-Einmaleins in einer alten Schulturnhalle genauso gut wie in einem modernen Trainingszentrum. Aber man muss dort eben auch Hallenzeiten haben, gute Trainer etc. Durch die schulischen Belastungen haben die Kinder immer weniger Zeit. G8 ist so ein Thema, Ganztagesschule auch. Früher wurden die Fußballweltmeister von 1990 auf den Bolzplätzen entwickelt. Heutzutage haben die Kinder dafür gar keine Zeit mehr. Also müssen wir sie beim Zeitmanagement unterstützen. Wenig Zeit auf dem Weg zum Training verschwenden. Alles aufeinander abstimmen. Und im Orange Campus wird das alles möglich sein. Kids treffen sich nach der Schule auf dem Freiplatz, machen danach zusammen ihre Hausaufgaben, gehen dann in ihr Training und sind nach 5 Minuten Fußweg direkt im Bus nach Hause. Der Bahnhof ist auch so nah, dass talentierte Kinder aus 70 km Entfernung problemlos integriert werden können.

Wie soll der Orange Campus bezahlt werden?

Stoll: Das wird die schwierigste Herausforderung. Wir machen das Ganze seit 14 Jahren und wir waren nie diejenigen, die von der Politik Geld gefordert haben. Die ratiopharm arena funktioniert so gut, weil wir jedes Jahr sehr viel Geld für die Benutzung zahlen. In anderen BBL-Städten wird die Hallennutzung stark subventioniert. Mit unserem 5,4 Millionen Etat zahlen wir auch ordentlich Steuern. Davon dürften pro Jahr eine halbe Million direkte Steuereinnahmen in der Region verbleiben. Insofern glaube ich, dass es politisch vertretbar ist, wenn beide Städte sich zusammen an dem Projekt beteiligen. Wir werden hoffentlich mit unseren Partnern und Fans in der Lage sein, mehr als 50 Prozent der Finanzierung zu stemmen. Das ist deutlich mehr, als bei solchen Projekten üblich ist.

Wo gibt es Widerstände bzw. Kritik?

Stoll: Natürlich gibt es immer auch Bedenken. Der Ort ist an exponierter Stelle und man könnte sich dort auch andere Projekte vorstellen. Allerdings sind viele der Wunschprojekte an der Stelle aufgrund der Nähe zur Autobahnbrücke nicht möglich. Dazu muss man erwähnen, dass unsere Suche schon über drei Jahre geht und knapp zehn andere Standorte evaluiert wurden. Der jetzige neben dem Wonnemar ist nicht nur wegen der Synergieeffekte mit dem großen Freizeitbad besonders interessant, sondern wegen der perfekten Lage inmitten beider Städte. Und nicht zu vergessen: Das Gelände gehört Ulm und Neu-Ulm und ist damit prädestiniert für eine solche gemeinsame Nutzung.

Short Facts Herzstück des Orange Campus sollen drei Trainingshallen sein. Eine inklusive einer Tribüne für ca. 500 Zuschauer, zwei mit einer direkten Verbindung zum Kraftraum. Im zweistöckigen Fitnesscenter können alle Clubmitglieder trainieren. Gegessen wird in einer Mensa mit Café-Betrieb. Ebenfalls auf dem Gelände geplant: Ein Spielerhaus und ein Geschäftsstellen- und Büro-Komplex. Der für alle Bürger offen zugängliche Campus soll darüber hinaus ein Beachvolleyball-Feld, einen Basketballfreiplatz, sowie andere Outdoor-Sportangebote beherbergen.

Das komplette Interview lesen Sie in der Ausgabe #3 des OrangeZone.Magazins, welches ab Samstag in der ratiopharm arena sowie online und ab Montag an über 100 Auslagestellen in der Region zu haben ist.

Foto: Modell von Scherr + Klimke; Illustration Agentur Halma

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